Erfolgreicher Abschluss der Studie zum kindlichen Auge – zwei Publikationen dank unserer kleinen Studienteilnehmer!
Ein herzliches Dankeschön an unsere jungen Patientinnen und Patienten und ihre Eltern!
Im Dezember 2019 hatten wir an dieser Stelle über eine Studie berichtet, die im Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital initiiert und durchgeführt wurde. Ziel der Studie war es, mithilfe modernster Bildgebungsverfahren erstmals verlässliche Vergleichsdaten für gesunde Kinderaugen zu gewinnen – also zu verstehen, wie die Netzhaut und ihre Blutgefäße im Kindesalter aufgebaut sind, wie sie sich im Laufe der kindlichen Entwicklung verändern und worin sie sich vom erwachsenen Auge unterscheiden. Nur mit solchen kindgerechten Referenzwerten lassen sich krankhafte Veränderungen – etwa beim kindlichen Glaukom (Grüner Star), bei Erkrankungen des Sehnervs oder bei Netzhauterkrankungen – zuverlässig von normalen Entwicklungsschritten unterscheiden und im Idealfall früh erkennen.
Heute freuen wir uns sehr, mitteilen zu können, dass aus den damals erhobenen Daten inzwischen zwei wissenschaftliche Publikationen in internationalen Fachzeitschriften entstanden sind. Möglich wurde dies nur durch die großartige Mithilfe der Kinder, die sich damals geduldig untersuchen ließen, und durch das Vertrauen ihrer Eltern. Dafür möchten wir uns von ganzem Herzen bedanken!
Was haben wir untersucht?
Für die Studie wurden gesunde Kinder und Erwachsene mit zwei modernen Bildgebungsverfahren untersucht: der optischen Kohärenztomographie (OCT) und der OCT-Angiographie (OCT-A). Diese Verfahren machen die feinen Schichten der Netzhaut und die kleinsten Blutgefäße im Auge sichtbar – völlig schmerzfrei, ohne Berührung des Auges und ohne Kontrastmittel. Wichtig war uns dabei, Kinder und Erwachsene mit identischen Geräten und Untersuchungsprotokollen direkt miteinander zu vergleichen – etwas, das in dieser Form bisher kaum vorhanden war.
Erste wichtige Erkenntnis (Publikation 1):
Die Augen von Kindern unterscheiden sich in mehreren Messwerten deutlich von denen Erwachsener. So ist beispielsweise die zentrale Netzhaut (Makula) bei Kindern dünner, während die Durchblutung am Sehnervenkopf sogar höher ist als bei Erwachsenen. Auch innerhalb der Kindergruppe verändern sich viele Werte mit dem Alter – jüngere Kinder zeigen teils andere Messergebnisse als ältere Kinder. Gleichzeitig konnten wir zeigen, dass qualitativ hochwertige OCT- und OCT-A-Aufnahmen bei Kindern zuverlässig möglich sind – eine wichtige Voraussetzung, um diese Verfahren im klinischen Alltag breiter einsetzen zu können.
Zweite wichtige Erkenntnis (Publikation 2):
Nicht nur die einzelnen Messwerte, sondern auch die Zusammenhänge zwischen Netzhautstruktur und Durchblutung entwickeln sich mit dem Alter weiter. Bei Erwachsenen sind die Dicke der zentralen Netzhaut und die Durchblutung eng miteinander verknüpft – bei Kindern ist diese enge Kopplung noch nicht vollständig ausgereift. Die Netzhaut reift also nicht nur in ihrer Struktur, sondern auch in ihrer „inneren Vernetzung” über viele Jahre hinweg. Gleichzeitig zeigten sich einige grundlegende anatomische Beziehungen – etwa rund um die zentrale gefäßfreie Zone der Makula – bereits im Kindesalter stabil.
Warum ist das so wichtig?
Bislang wurden Aufnahmen von Kinderaugen häufig mit Referenzwerten von Erwachsenen verglichen – schlicht, weil geeignete Vergleichsdaten für Kinder fehlten. Das kann dazu führen, dass normale Entwicklungsschritte fälschlich als „krankhaft” eingestuft werden – oder umgekehrt echte frühe Krankheitszeichen übersehen werden.
Mit unseren beiden Publikationen konnten wir eindrücklich belegen, dass eigene, altersgerechte Normwerte für Kinder dringend notwendig sind. Unsere Arbeit trägt damit dazu bei, dass die Bildgebung bei Kindern in Zukunft sicherer, präziser und kindgerechter interpretiert werden kann – ein wichtiger Schritt in Richtung besserer Früherkennung von Augenerkrankungen im Kindesalter.
Tausend Dank!
All das wäre ohne die tatkräftige Unterstützung unserer kleinen Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer nicht möglich gewesen. Ihr habt mit eurer Geduld, eurem Mut und eurer tollen Mitarbeit einen echten Beitrag zur Wissenschaft geleistet – und dazu, dass Kinder mit Augenerkrankungen in Zukunft noch besser betreut werden können.
Ein riesiges Dankeschön an euch und eure Eltern! 🌟👁️✨
Publikationen zur Studie:
Publikation 1:
Lommatzsch C, Capucci A, Grisanti S, Heinz C, Rothaus K. Age-Related Differences in Optical Coherence Tomography and Optical Coherence Tomography Angiography Parameters Between Healthy Children and Adults: A Comparative Analysis in a Caucasian Population. J Pers Med. 2025; 15: 629. doi: 10.3390/jpm15120629.
Publikation 2:
Lommatzsch C, Capucci A, Grisanti S, Heinz C, Rothaus K. Age-Dependent Retinal Parameter Correlation Patterns on OCT and OCT Angiography in Children and Adults. J Clin Med. 2026 Jun 19; 15(12): 4778. doi: 10.3390/jcm15124778. PMID: 42355947; PMCID: PMC13300864.










duell zu hoher Augeninnendruck. Es gibt jedoch auch Menschen, die immer niedrige Augeninnendruckwerte hatten, und trotzdem am Grünen Star erkrankt sind. Hierbei werden andere Gründe vermutet, zum Beispiel eine verschlechterte Durchblutung des Sehnerven. Um diese Theorie zu überprüfen, führt das Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital unter der Leitung von Dr. Claudia Lommatzsch zusammen mit den Universitätskliniken Göttingen, Tübingen und München derzeit eine Studie zur Durchblutungsanalyse des Auges bei Kindern durch. Ziel der Studie ist es, mit den Ergebnissen die Betreuung und gegebenenfalls auch Früherkennung von Patienten mit einem kindlichen Glaukom zu verbessern.

